Stimmungseinbruch

Worum geht es?

Ich hatte einen Stimmungseinbruch. Sie fiel einfach hernieder und zerbrach. Und daraus ergab sich ein hübscher, fantastischer Dialog mit Evanesca und mir, der uns so gut gefallen hat, dass wir ihn teilen mögen.

Der fantastische Dialog:

SchreibFisch:

Die STIMMUNG!

Sie ist abgestürzzzzt

Evanesca:

Ist sie noch ganz? Sonst hätte ich hier eine zweite Kehrschaufel. Zum “behutsam zusammennehmen und erstmal begutachten”.

SchreibFisch:

Sie ist mindestens in zwei Teile zerbrochen.

Ich denke, in drei.

Und die Teile sind dabei so verbogen, dass sie nicht mehr zusammengefügt werden können.

Evanesca:

Hm, Kintsugi? Dann ist es zwar nicht mehr ganz die selbe Stimmung, aber es ist nicht schlimm, dass sie kaputt ist. Sowas passiert ab und zu.

SchreibFisch:

unstimmig

Evanesca:

Sonst ginge auch, in eine Vitrine tun und behaupten, es wäre die Stimmung von vor 1000 Jahren!

Die sahen damals nun mal so aus, ganz andere Zeiten!

SchreibFisch:

Aber dann hätte ich halt keine Stimmung aktuell.

Ich brauch ja eine. Es ist verboten, ohne Stimmung rumzulaufen heutzutage.

Evanesca:

Eine aus dem Museum stehlen und dafür deine kaputte zurücklassen?

SchreibFisch:

Das klingt interessant.

Ich kann nicht gut gucken ohne Stimmung, kannst du mir ein paar zur Auswahl beschreiben?

Evanesca:
  1. Eine Stimmung aus dem siebzehnten Jahrhundert, mit Fäustlingen, einem zugefrorenen See und vorsichtigem Umherwandern auf selbstgemachten Kufen. Irgendwo in der Ferne knirscht ein Baum ein bisschen und lässt Schnee fallen. Die Form ist eine Schneekugel, die, wenn geschüttelt, echt aussehende Schneeflocken macht.

  2. Eine Stimmung, die ungefähr zweitausend Jahre alt ist. Eine ruhige Ecke inmiten einer wuseligen Straße. Irgendwo in der Ferne das Geräusch, das Brotteig macht, wenn vor dem Backen ein Stempel reingedrückt wird. Ein Kind schreibt mit kreativ falscher Lateingrammatik einen Satz an die Wand und versteckt sich kichernd. (Diese Stimmung sieht aus wie eine antike Pizza, also wie eine große, platte Blume mit allerlei bunten Sachen darauf.)

  3. Eine Stimmung, die so alt ist, dass irgendwie das Schild sich auch nicht sicher ist, wie alt genau. Es riecht ein bisschen nach Lagerfeuer und frisch gemähtem Gras, das leise Geräusch von Holz, in das geschnitzt wird, liegt in der Luft. Fehlversuche liegen umher, kleine Adler und Bären und Tiger, aber die bleiben nicht lange liegen. Ein “Dürfen wir das haben?” später jagen sich die Holztiere im Gras unter niedlichen Geräuschen. Diese Stimmung sieht aus wie ein Bernstein, in dessen Innerem eine dunkelrote Blume ist.

SchreibFisch:

Puh, die Entscheidung zwischen der ersten und dritten ist schwierig. Hier ist eher Schnee, aber ich glaube, die dritte Stimmung passt eigentlich besser in die abgesplitterten Kanten, wo die alte Stimmung mal saß.

Ich denke, ich glaube mir die dritte, und die erste lasse ich “versehentlich” auch zu Boden gehen, um den Schnee daraus in diese dritte zu streuen.

Nix mit “ist mir zu schade”, das war, bevor meine Stimmung zersprang. Nun ist es mir mangels Stimmung ja egal.

Evanesca:

Der Schnee ist aber auch sehr unwiderstehlich, denke ich. Und außerdem fällt dann weniger auf, dass du eine geklaute Stimmung dabei hast, weil sie nicht mehr exakt so aussieht wie eine von den verschwundenen. Das ist sehr sinnvoll!

SchreibFisch:

Schnee fällt wie aus dem nichts auf frisch gemähtes Gras, von dem man nicht weiß, wie es gemäht worden ist, weil aus dem Mähgerät das Zeitalter hätte geschlossen werden können. Aber eine Sense lehnt gegen den Baum, von der man nicht weiß, ob sie fürs Mähen war (dazu ist sie eigentlich zu sauber), oder todbringend sein könnte (sie ist leicht umwabert von einer dünnen Schicht Dunkelheit und Schnee), und gerade Pause macht.

Ja, so gefällt mir das. Ich versuche diese Stimmung mal zu integrieren.

Evanesca:

Das klingt exzellent.

Tröt