Abbruch

Salın

“Wem gehören denn die Stiefel?” Deiras Stimme klang überraschend beiläufig dafür, dass sie bis ins obere Stockwerk hinaufdrang und Salın weckte.

Salın seufzte innerlich, verhielt sich aber ganz ruhig. Der Himmel hatte erst einen blassen Morgenton angenommen und sie wollte Jurin nicht so früh wecken. Wahrscheinlich bestand da aber keine Chance, weil Deiras Absicht das Gegenteil war.

“Das sind aber nicht Zwins?”

“Ich weiß es doch auch nicht”, war nun Marişas angestrengt leise Stimme gerade so zu hören.

Salın stellte sich vor, wie Deira an den Stiefeln roch und sie anfasste. Aber vielleicht reichte der Schuhgrößenunterschied fürs Erkennen, dass es nicht Zwins waren, auch aus.

“Wer hat denn hier schon wieder den ganzen Strand reingetragen?” Diesmal war Deiras Stimme abgewandt, leiser, aber Salın konnte sie trotzdem klar verstehen.

Jurin strich ihr mit den Fingern über die Wange.

Salın lächelte unweigerlich. “Davon wäre ich lieber aufgewacht”, flüsterte sie.

“Das sind deine Eltern, ja?”, fragte Jurin leise.

“Hmhm”, bestätigte Salın.

Jurin küsste sie zart auf die Stirn, was Salıns Körper überraschend entflammen ließ. Sie lagen in Löffelhaltung. Salın spürte Jurins starken Schultergürtel an ihrem Rücken entlangreiben, als sie sich zu ihr umdrehte, liebte diese Kreuzung aus Muskeln und Zartheit. Sie mochte Jurins Körper dafür, dass er beschützendstark und zugleich auf diese Art weich und feinporig war, die sie so sehr anzog. Fast wie in Trance strich sie mit den Händen über Jurins Arme, ihr Dekoltee, ihre Schlüsselbeine entlang und schließlich in den Nacken, wo die Haarfluten über ihre Finger glitten. Sie legte ihre Lippen auf Jurins und Jurin erwiderte den Kuss mit dem Feuer, in dem sie gerade gern vergangen wäre.

Unten klapperte das Gerät, mit denen ihre Eltern Frühstück bereiteten und den Tisch bestückten. Deira schimpfte über Marişa, sie möge nicht so laut sein, als diese versehentlich einen Eimer umstieß. Salın konnte sich keinen Moment länger aufs Küssen konzentrieren und brach es, frustrierend unversengt, ab.

Sie hatte seit Jahren keine längerfristigen Wünsche mehr, die Welt zu verlassen. Sie wusste, dass das gerade nur der Moment war. Sie wusste, ein halber Tag in Niederwiesenbrück würde ihr den Lebenswillen zurückgeben. Sie sprach nie mit jemandem darüber, wie es war, wenn er vorübergehend fehlte.

Jurin streichelte ihr übers Haar. “Was wäre dein Traum-Szenario bezüglich Verhalten von mir?”

“Was meinst du?” Salın flüsterte fast, und trotzdem kam sie sich lauter vor als Jurin.

“Ich könnte aus dem Fenster einfach verschwinden”, schlug Jurin vor. “Oder zum Frühstück mit runterkommen? Keine Ahnung, ob ich eingeladen wäre. Oder ich könnte mit runterkommen, aber mich direkt verabschieden.”

“Wenn du aus dem Fenster verschwändest, was passiert dann mit den Stiefeln?”, fragte Salın amüsiert.

Jurin zuckte, wie so oft, mit den Schultern, nicht so doll, nur ein wenig, wie um zu sagen, ‘who cares’, und das mochte Salın. Es nahm dem Ganzen oft unnötige Bedeutung raus. “Du hast sie gefunden? Keine Ahnung. Wir finden schon eine Ausrede, wenn du die Fenstervariante willst.”

Salın kicherte. “Ich mag nur die Vorstellung, weil ich dann eine heimliche Verehrerin hätte oder so. Wie in so einer romantischen Komödie. Moment, in unserem Fall, aromantischer Komödie? Ich kann nicht gut unterscheiden, ehrlich gesagt.” Sie seufzte und hoffte, in Jurin kein unbehagliches Gefühl ausgelöst zu haben. “Es bleibt trotzdem die Frage, ob du hinterher sicher wieder an deine Stiefel kämst.”

Jurin zuckte abermals mit den Schultern. “Ich wechsel das Schuhwerk eh demnächst aus. Ich wollte bald wandern, dazu eignen die sich nicht.”

“Da wüsste ich gern genauer, wie du das im Normalfall mit Weitergeben oder Recyclen machst, aber lieber wann anders”, sagte Salın. “Ich glaube, wir sollten nach unten gehen. Und wenn sie dich nicht gleich rausschicken, wäre mein Wunsch-Szenario, wenn du mich schon so fragst, dass du zum Frühstück bleibst und wir danach gehen, sobald das einigermaßen stressfrei machbar ist.” Sie seufzte. “Aber ich möchte eigentlich nicht, dass du hier für mich herhalten musst, um eine schwierige Situation zu überstehen.”

“Verstanden.” Jurin rollte sich aus dem Bett und stand auf, als hätte sie nicht nur höchstens vier Stunden geschlafen.

Sie trug ein hellblaues Nachthemd, das sie sich von Salın geliehen hatte, und der Anblick dieser sonst immer schwarz bekleideten Person nun, abgesehen von den Haaren, in so hell reflektierend im Morgenlicht zu sehen, war so fremd, dass Salın lachen musste. Die Haut hatte keinen einheitlichen Farbton, an manchen Stellen rötlich, überwiegend hellbräunlich und an manchen Stellen sogar fast bläulich oder grünlich. Es sah nicht ungesund aus, aber für eine Person, die ständig draußen war, überraschend blass.


Als sie die Treppen hinab nahmen, war Jurins Stil wieder normal, außer, dass sie keine Stiefel trug.

“Salın, mein liebes Wunschkind, bevor du dich setzt, magst du noch eben das gute Geschirr aus dem Keller holen, damit sich unser Besuch auch willkommen fühlen kann?”, sprach Deira, noch bevor Salın den Fuß der Treppe erreicht hatte. Deira roch förmlich, wo Salın sich aufhielt.

Salın merkte erst verspätet, dass sie bereits “Klar, mache ich!” gesagt hatte, weil sie in diesen unterwürfigen Hirnstatus gefallen war, in dem sie möglichst alle von Deiras Wünschen erfüllte. Sie übte während ihrer Therapie, bei sich zu bleiben, aber sie hielt nicht zum Zweck des sich Besinnens auf der Kellertreppe inne, sondern auch weil sie Jurins reden hörte.

“Mit Besuch bin ich gemeint?” Der Dialekt und die Dominanz stach für Salın in diesem Haus irgendwie besonders hervor.

“Natürlich, wer sonst?” Salın konnte innerlich förmlich sehen, wie Deira die Arme ausbreitete. “Lass dich begrüßen!”

“Wenn es um mich geht, würd ich auf schniekes Geschirr zum Frühstück lieber verzichten”, sagte Jurin.

Salın gefror.

“Es macht uns wirklich keine Umstände”, betonte Deira. “Fühl dich einfach wie zu Hause und lass dich verwöhnen. Ich bin Deira und das ist Marişa.”

“Macht es denn Umstände, darauf zu verzichten? Denn dann würde ich das tatsächlich gern. Das war keine Rücksichtnahme meinerseits sondern ein Wunsch”, beharrte Jurin.

Stille.

Dann die zurückhaltende Stimme Marişas an Deira: “Wir können auch darauf verzichten, oder?”

“Natürlich! Dann halten wir es ganz einfach.”

Salın fragte sich, ob Jurin die leichte Pikiertheit in Deiras Stimme auch hören konnte.

Laut rief Deira: “Kind, kommst du wieder hoch?” Und an Jurin gerichtet: “Lass dich erstmal in den Arm nehmen und ordentlich begrüßen!”

“Auch darauf verzichte ich”, sagte Jurin. “Mir wäre ein schlichtes ‘Moin’ lieber. Mir ist gerade nicht so touchy zumute.”

Salın kam gerade rechtzeitig, um Deiras Froschmund noch sehen zu können, sowie Jurins Geste mit einer in Abwehr hochgehaltener Hand.

“Wenn es dir hier nicht gefällt, kannst du auch gleich gehen”, sagte Deira in einem übertrieben freundlichen Tonfall.

“Deira, lasst uns doch erstmal frühstücken und lass unseren Besuch erstmal richtig ankommen und wach werden”, schlug Marişa vor. “Du bist doch auch vor deinem ersten Morgen-Monua noch grumpy, das sagst du selbst immer.”

Salın hoffte gerade so sehr, dass Jurin Marişas Entschuldigung stehen lassen würde, auch wenn sie so falsch war, aber konnte sich das bei Jurin eigentlich nicht vorstellen. Sie wechselten einen Blick.

Jurin zuckte mit den Schultern und wandte sich an Marişa: “Kann ich noch irgendwas helfen?”

“Nein”, antwortete Deira an Marişas Stelle. “Marişa macht mir noch den Morgen-Monua, von dem die Rede war, und dann geht es los. Soll sie dir auch einen machen? Setzt euch ruhig schonmal.”

“Zu einem Monua sag ich nicht nein”, wandte sich Jurin wieder an Marişa.

Marişa nickte freundlich. “Heiß oder lieber lauwarm?”

Als wäre gerade nicht eine andere Konversation angefangen worden, schritt Deira an Marişa vorbei auf Jurin zu und hob deren Handgelenk an, das Jurin gerade erst wieder sinken gelassen hatte. “Ist das ein Windschwingen-Tattoo?”

Jurin entzog ihr die Hand. “Gibt’s damit ein Problem?”

“Nein, nein!” Deiras Stimmung wechselte wie warmes Wachs in den freundlich einladenden Tonfall zurück, den ihr so viele einfach abkauften. “Ich freue mich, sei willkommen! Wir mögen interessanten Besuch. Wir sind kulturell sehr offen und interessiert. Solange du nicht irgendwann unser Kind entführst?”

“Entführen?” Jurins Augenbraue betonte die Skepsis.

“Ach, nimm mich doch nicht so ernst! Du weißt wie ich das meine.” Deira lächelte breit. “Als Eltern hat man doch immer Angst, dass das Kind irgendwann auszieht und nicht wiederkommt. Auch wenn es nicht alle Winschwingen so halten, bin ich doch richtig informiert, dass ihr um die halbe Welt reist, oder?”

“Schon.” Jurin wirkte nicht ganz präsent, als sie das einräumte, und wandte sich dann an Salın: “Wie alt bist du?”

“41.”

“Magst du mir noch sagen, wie du den Monua am liebsten hättest?” Marişa hatte lauernd auf einen Moment gewartet, das zu Ende abklären zu können, und schob sich nun wohl eine Spur energischer dazwischen, als es sonst ihre ultrasanfte Art war, um weitere Fettnäpchen, wie sie es nannte, zu unterbinden.

Während sie und Jurin sich über die gewünschten Eigenschaften des Monuas unterhielten – Marişa erfüllte Wünsche am liebsten sehr genau, damit auch nichts falsch wäre –, zog Deira Salın an der Hand ins Wohnzimmer mit.

Salın merkte, wie sie immer kleiner und unscheinbarer geworden war, bis sie quasi nicht mehr da war, sondern höchstens ein Automatismus, der ungefährliche Antworten gab, wenn nötig.

“Was für einen Elben hast du denn da eingesammelt?”, raunte Deira. “Ich mag ihn jetzt schon nicht.”

Salın rann es unangenehm heiß den Rücken herab. Sie war sich ziemlich sicher, dass Deira eine Lautstärke getroffen hatte, die sich zwar nur an Salın bestimmt anhörte, aber doch gerade laut genug für Jurin zum Mithören oder wenigstens Erahnen war. Aber sie wusste es nicht. Und wenn es so wäre, wusste sie auch nicht, ob Deira die Lautstärke absichtlich so wählte, weil sie in Wirklichkeit wollte, dass ihre Meinung gehört würde, ohne dass sich die betreffende Person verteidigen köntne, oder ob Deira davon überzeugt war, dass Leute sie schon nicht hörten, wenn Deira es nicht wollte.

Sie blieben immerhin nicht lange allein. Jurin folgte, und Salın sah in ihrem Auftreten und der Art, wie selbstbewusst sie sich bewegte, allein schon einen ausreichenden Grund, warum Deira sie nicht ausstehen konnte. Sie erinnerte sich daran, wenn sie früher dabei gewesen war, sich mit selbstbewussten Kindern anzufreunden, dass Deira abfällig über sie geredet hatte: ‘Das sind so Leute, die denken, ich komme rein und mir gehört die Welt. Sowas kann ich nicht leiden.’

“Ich habe versäumt, mich vorzustellen”, sagte Jurin. (Ein Indiz dafür, dass sie es tatsächlich gehört hatte?) “Ich bin Jurin. Pronomen ‘sie/ihr/ihr/sie’. Wo setze ich mich am besten hin?”

“Wenn du keinen besonderen Extra-Wunsch hast, dann ist dies der Platz für Besuch.” Deira deutete auf einen Stuhl.

Jurin setzte sich ohne erkennbare Abwehr. “Danke für die Einladung. Sieht gut aus, was es hier gibt!”

Deira freute sich über das Kompliment und tat etwas, was zwar langweilig, aber ungefährlich war: Sie zählte auf, woraus das Essen gemacht war, woher die Ingridenzien kamen, dass einige davon hier im Garten gewachsen waren und wie sie das ganze ohne Spinstrom zubereitet hatte. Sie monologisierte dann noch eine Weile darüber, dass eine Welt ohne Spinstrom eine bessere wäre, wie sehr die Bevölkerung inzwischen davon abhinge und dass sie diese Abhängigkeit ja nicht für sich oder die ihren wollte.

Jurin hörte ihr einfach zu, begann mit dem Frühstück, als der Monua geliefert wurde und Deira die Prozedur beiläufig eröffnete, und kommentierte nichts.

“Aber jetzt rede ich die ganze Zeit von uns! Erzähl uns was von dir!”, forderte Deira Jurin schließlich auf.

Jurin zuckte mit den Schultern. “Ich lebe so vor mich hin. Bald steht wieder eine Wanderung an. Was willst du wissen?”

“Ich mag nochmal auf unser Missverständnis vorhin zu sprechen kommen.” Deiras Ton war wieder so sanft und freundlich geworden und trotzdem hätte Salın überall und immer gewusst, dass er hieß, widersprich mir nicht oder Drama. “Ich verstehe deine Bedürfnisse, aber du musst auch meine verstehen. In diesem Haus gehört Umarmung zu einer herzlichen Begrüßung dazu.”

“Schlechte Hausregel”, kommentierte Jurin trocken.

“Mein Haus, meine Regeln.” Dieses Mal war die Kiebigkeit in Deiras Stimme sicher für niemanden zu überhören, vermutete Salın.

“Mein Körper, meine Regeln”, konterte Jurin. “Auch wenn sich mein Körper in deinem Haus befindet, darfst du ihn nicht einfach anfassen. Nichts gibt dir das Recht dazu. Ich diskutier das nicht.”

“Wenn dir das nicht passt, kannst du ja gehen”, fauchte Deira. “Ich lass mich hier nicht so anpampen.”

Jurin betrachtete sie mit erhobener Braue. “Kann mich nicht erinnern, je bei einer Sex-Party gegangen worden zu sein, weil ich mal nicht berührt werden wollte. Und bei einer Sex-Party fände ich eine Policy, dass mit Berührung gelebt werden müsse, auch schon nicht so galant, aber doch eher verständlich als in einem Privathaushalt, der sich einlandend oder willkommenheißend nennen will.”

Jurin sah nicht aus, als wäre sie fertig, aber Marişa hob die Hand. “Ich glaube, es handelt sich hier um ein Missverständnis. Hier treffen verschiedene Generationen …”

“Nee, tut mir leid, glaub ich nicht.”, schnitt Jurin ihr direkt das Wort ab. “Und wir haben es eh eilig. Bist du satt genug, Salın? Können wir los?”

Salın bemerkte, dass sie sich bis gerade tatsächlich nicht existent gefühlt hatte, mehr wie eine Hülle, und kippte nun in ihren Körper zurück. Leider machte sie das nicht unbedingt handlungsfähiger. Sie konnte sich einige Momente nicht rühren, saß einfach wie erstarrt da. Sie hatte noch nie erlebt, wie jemand die Situation mit ihren Eltern einfach so kompromisslos eskaliert hatte. Es erfüllte sie innerlich gleichzeitig mit einer riesigen Angst und mit einem Hauch von Stolz, den sie noch nicht greifen konnte: Ein Teil von ihr wollte sich generell so ähnlich verhalten wie Jurin. Aber das würde so nie möglich sein.

Sie spürte allmählich, wie auch die Handlungsfähikgeit in sie zurückglitt. Was hatte Jurin gesagt? Sie blickte auf in ihr Gesicht. “Eilig?”, fragte sie.

“Los? Wohin?”, fragte Deira zeitgleich.

Jurin wandte sich an die Tischrunde. “Salın und ich hatten einen Deal für unser Date”, behauptete sie. “Gestern hat Salın geplant, was wir tun, heute bin ich dran. Ich habe noch nicht gesagt, was wir vorhaben, es soll eine Überraschung werden. Aber wir müssen den Zug um …” – Jurin blickte auf die Wanduhr, eine mechanische mit Pendel und lautem Ticken – “… um halb bekommen.”

“Entschuldige, ich habe das gerade voll verdrängt”, sagte Salın. Sie war eigentlich wirklich nicht gut im Lügen, aber die Vorlage war ziemlich gut.

“Musst du noch Sachen packen?”, fragte Jurin.

“Kommst du vorher noch kurz in die Küche, Kind?”, bat Deira. “Es wäre schade wenn das gute Essen auf den Kompost müsste. Ich würde gern die Reste vom Frühstück mit dir einpacken.”

“Das kann ich auch machen.” Jurin stand auf.

“Salın weiß, wo die Dosen sind, das ist unkomplizierter”, beharrte Deira.

Jurin zuckte mit den Schultern. “Dann sollte das auch nach dem Packen noch möglich sein”, sagte sie. “Mir scheint wahrscheinlich, dass du Allein-Zeit mit ihr willst, und ich hätte meine Allein-Zeit mit ihr, wenn das für Salın okay ist, gern vorher.”

Es herrschte mit einem Mal Stille, die sich für Salın so anfühlte, als wäre ein Blitz eingeschlagen.

“Salın ist mein Kind!”, knurrte Deira zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch. “Was gibt dir das Recht, dich in unsere Familienangelegenheiten zu drängen?”

Jurin setzte zu einem Widerspruch an, aber Salın hob kaum merklich die Hand. “Lass gut sein”, meinte sie. “Ich komme gleich nach.”

Aus ihr unerfindlichen Gründen fühlte sie gerade eine Energie, die sie selten in Deiras Gegenwart hatte, und sie wollte wissen, was das mit ihr machte. Und sie wollte Jurin nicht weiter in die Situation reinziehen als eh schon.

Sie folgte Deira mit den Frühstücksplatten in die Küche, und befasste sich sofort damit, Dosen aus den Schränken zu nehmen.

“Nicht die rote. Meinst du nicht, dass die längliche mit dem schwarzen Deckel am besten geeignet ist?”, fragte Deira freundlich.

Es war Salın vollkommen egal. “Wir können die nehmen.”

“Du kannst deine Meinung ruhig äußern”, motivierte Deira.

Salın verdrängte das Szenario, dass sie tatsächlich eine Meinung zu den Brotdosen äußern könnte, die von Deiras abwich, Deira das nicht annehmen konnte, sie mit Argumenten zu überzeugen versuchte und schließlich doch über sie entschied. Sie kannte dieses Skript so sehr auswendig, dass es sich nur im Bruchteil einer Sekunde voll entfaltet hatte, und genauso rasch war es wieder zusammengefaltet gut verstaut. “Okay, meine Meinung?”, fragte Salın. “Ich mag Jurin.”

“Sie kommt mir nicht wieder ins Haus”, zischte Deira.

“Ich weiß”, sagte Salın, vollkommen gefühllos. Jegliches sinnvolle Gefühl hätte hier auch einfach keinen Raum bekommen.

“Sei vorsichtig mit ihr”, warnte Deira, und wählte dafür einen innigen Tonfall, als wäre Salın ihr wichtig. “Mir ist sehr wohl klar, dass die Sache mit dem Date und dem Zug eine Lüge war, um dich vorschnell aus dem Haus zu lotsen.”

‘Woher weißt du?’, dachte Salın, sagte aber nichts.

“War es doch, oder?”, bohrte Deira unbarmherzig nach. “Ich bin dir nicht böse. Das weißt du. Aber ich möchte, dass du ehrlich zu mir bist.”

Salıns Kopf nickte. Salın versuchte, nicht enttäuscht von ihm zu sein.

Deira lächelte sanft und nahm Salıns Wangen in ihre Hände. “Vielleicht habe ich vorhin etwas überreagiert. Aber du musst verstehen: Ich möchte nur nicht, dass dir jemand wehtut”, sagte sie eindringlich. “Jurin mag bestimmt ein paar Seiten an sich haben, die dich faszinieren. Ich kann aber nicht haben, wie sie sich einfach ohne jegliche Rücksichtnahme alles einfordert. Wenn sie was will und du irgendwann im Wege stehst, dann lässt sie dich fallen wie eine heiße Kartoffel.”

Salın wollte das nicht glauben, kein Stück, und konnte doch nicht vermeiden, dass ein Teil von ihr es doch tat: Jurin ließ sich nicht so leicht etwas wegnehmen, das stimmte. (Warum auch?) Sie hatte bereits angekündigt, dass sie keine haltende Beziehung eingehen würde. (Womit Salın einverstanden war.) Aber was war der Unterschied zwischen dieser Realität und dem Fallen-gelassen-werden wie eine heiße Kartoffel, wenn es nicht mehr so passte, abgesehen von der Wortwahl? Salın wusste, dass da einer war, konnte ihn aber gerade nicht greifen. Wie als wäre sie nicht ganz da, sondern halb ein Persönlichkeitsanteil von ihr, der Deira einfach voll vertraute oder fast spiegelte. Es war unheimlich.

“Sie hat gelogen, Salın”, betonte Deira.

Wenn Deira eines moralisch komplett verwerflich und verurteilungswürdig fand, das wusste Salın, so war es lügen. (Außer, Deira log selbst, aber das waren dann immer ‘Notlügen’.)

“Und was ich noch schlimmer finde:”, fuhr Deira fort, “Sie hat dich mit reingezogen. Sie hat dich in eine Lage gebracht, wo du deine Mutter anlügen oder Jurin vor mir des Lügens bezichtigen müsstest. Natürlich hast du sofort mitgespielt. Es war manipulativ, sie hat dich da mit reingesogen. Das wolltest du gar nicht. Stimmt’s?”

Salın erinnerte sich, dass sie etwas daran tatsächlich angekratzt hatte. Wieder nickte ihr Kopf reflexartig. Verräterische Tränen wollten in ihre Augen treten. Es war so unfair: Sie hatte unbehagliche Gefühle Jurin gegenüber gehabt. Sie hatte – eigentlich – noch viel schlimmere Deira gegenüber. Aber die Jurin gegenüber waren hier erlaubt, ja sogar irgendwie produktiv, die Deira gegenüber hätten alles nur schlimmer gemacht, deshalb wurden sie erst gar nicht gefühlt. (Heute Abend in Niederwiesenbrück würde sie sie spätestens fühlen, als kaum sortierbares Gefühlsknäuel.)

“Sie hätte dich wenigstens vorher fragen müssen”, sagte Deira. “Und wenn sie dich gefragt hätte, was hättest du gesagt?”

“Dass ich nicht lügen kann”, murmelte Salın.

Deira nahm sie in den Arm. “Ich habe so ein grund-ehrliches Kind erzogen. Da bin ich richtig stolz drauf”, sagte sie. “Lass dir das niemals nehmen. Von niemandem. Du bist gut so, wie du bist, mein Präsentierexemplar von einem Kind.” Sie ließ Salın los. “Und nun ab mit dir!”, sagte sie freundlich lächelnd. “Pack deine Sachen. Ich geb dir gleich die Dose mit.” Und als Salın schon fast zur Tür raus war: “Die mit dem schwarzen Deckel, genau wie du wolltest!”


Jurin lehnte gelassen an die glatte Wand neben der Haustür gelehnt, als Salın endlich das Haus verließ, Deiras ‘Pass auf dich auf, mein Wunschkind!’ noch in den Ohren. Ihre Blicke trafen sich und in Salın löste sich etwas. Es war seltsam, was diese Person allein durch ihre in sich ruhende Präsenz für einen Einfluss auf Salıns Gefühle hatte. Vielleicht trug auch einfach das Bild der nackten Schultern im Sonnenschein dazu bei, das Salın das Gefühl des leichten, noch kühlen Sommerwindes, der unter ihre eigene Bluse drang, erst präsent machte. Sie mochte den Sommer.

Tatsächlich war Salın schon oft in eher ungesunden Beziehungen gelandet. Daher löste es in ihr drin einen Alarm aus, dass der bloße Anblick Jurins diesen Einfluss auf sie hatte. Sie hatte bei all den Personen, mit denen sie Freundschaften oder Beziehungen gehabt hatte, die sich später als ausbeutend oder anderweitig ungut für sie herausgestellt hatten, starke, positive Gefühle empfunden. Zum Beispiel eine Verliebtheit wie jetzt. Oder sie hatte den Charme geliebt.

Es gab allerdings einen Unterschied zwischen jenen Beziehungen und der zu Jurin: Deira hatte all jene bei sich willkommen geheißen. Aber das musste nichts heißen, überlegte Salın. Deira würde mit sich selbst überhaupt nicht klarkommen, sie könnte keine Person bei sich willkommen heißen, die versuchte, dominanter zu sein als sie selbst. Wenn sie also eine Person wie Deira nach Hause brächte, dann würde Deira sie hassen und es wäre kein Indiz dafür, dass sie Salın guttäte.

Jurins Blick schweifte über Salıns Gepäck. “Sieht aus, als hättest du für eine Woche gepackt. Aber manche Leute brauchen für einen Tagesausflug auch einen Wanderrucksack. Wieviel Zeit haben wir?”

“Ich habe vor, heute Abend zurück nach Niederwiesenbrück zu fahren, wo ich eigentlich wohne”, erklärte Salın. “Entschuldige, dass es so lange gebraucht hat. Ich habe den Pferdis noch Aufwiedersehen gesagt.”

In Jurins Gesicht trat ein feines Lächeln, nur für einen Moment. Ansonsten wirkte ihr Gesicht überraschend finster. “Ich finde es schön zu hören, dass du hier nicht immer wohnst.”

Salın konnte nicht festmachen, was sie an Jurins Verhalten nun schon wieder störte. Vielleicht war es all der Zweifel, der noch in ihr bohrte: Ihr Unvertrauen in ihre eigene Charakterkenntnis und Urteilungsfähigkeit in Beziehungen, gepaart mit dem Unbehagen, das Deira gesäht hatte.

Jurin stieß sich von der Wand ab und bestimmte so den Aufbruch. Sie nahm Salın eine Tasche ab, indem sie wortlos mit ausgestrecktem Arm danach fragte. Sie schwiegen, als sie am Strand entlang gingen. Salın versuchte mehrfach, sich zu überlegen, wie sie ein Gespräch anfangen könnte. Was musste Jurin fühlen? Konnte sie einfach nachfragen? Aber wie? ‘Wie geht es dir?’, kam ihr nicht nach genau der Frage vor, deren Antwort sie gerade wollte.

Ohne für sie memorablen Übergang landete sie plötzlich wieder emotional in Deiras Umarmung und hörte die Weichheit in ihrer Stimme, als sie sie vor Jurin gewarnt hatte. “Du hast gelogen”, murmelte Salın. “Deira hat mit mir über dich geredet und gesagt, du hättest mich fragen sollen, bevor du mich in so etwas reinziehst.” Im Moment, als sie es fertig ausgesprochen hatte, durchflutete sie ein scharfes Gefühl von Selbsthass, dass alles in ihr lähmte. Warum von allen Möglichkeiten der Gesprächseröffnung hatte sie sich gerade die ausgesucht, in der sie Deiras Kritik auf Jurin übertrug? (Aber es beschäftigte sie, dass Jurin das getan hatte, sie konnte es nur nicht von Deiras Gefühlen trennen.) Sie hatte Angst, dass es gleich mit Jurin vorbei wäre.

“Recht hat sie”, sagte Jurin. “Hätte ich tun müssen.” Sie seufzte. “War nicht gut von mir, wenn auch vielleicht aus anderen Gründen, als Deira denkt.”

Salın blickte sie überrascht, fast perplex an. Mit der Wendung hätte sie nicht gerechnet.

“Es tut mir leid”, sagte Jurin.

Salın hatte keine Mühe, ihr zu glauben, dass es eine ehrliche Entschuldigung war. Aber es verwirrte sie. “Warum?”

“Mir war schon in dem Moment klar, dass ich mich nicht gut verhalte”, gab Jurin zu. “Ich war überfordert. Ich kenne für solche Situationen keine Skripte. Ich wusste nur, ich kann Gewalt nicht einfach stehen lassen, wenn sie passiert. Ich kann es nicht. Ich kann einfach nicht tatenlos dabei sein, wenn gesetzte Grenzen überschritten werden oder was da alles an Gewalt passiert ist.” Sie atmete einige Male ein und aus, unverkennbar, um Wut zu regulieren. “Ich habe keinen sinnvoll kontrollierten Umgang damit gefunden und dann irgendwann auf die nächstbeste Option zurückgegriffen, die mir einfiel, und die war halt wirklich nicht gut.”

“Ich weiß nicht, Jurin”, sagte Salın. Sie war sich nicht sicher, ob Jurin fertig war oder sie sie unterbrach. Ihr Hirn war aber auch ohnehin so vernebelt, dass ihr das Zuhören schwerfiel. “Du hast versucht, mich aus einer Situation zu retten. Ich habe mich in dem konkreten Moment, als du die Lüge vorgebracht hast, auch mit dir nicht so wohlgefühlt, zugegeben, aber du kannst da gar nichts für, glaube ich.”

“Doch, schon.” Jurin sagte zunächst nichts weiter.

Die Brandung hatte wieder zugenommen, weil der Wind von der Seeseite kam und allmählich auffrischte. Salıns Schuhe, die am Rucksack befestigt waren, baumelten gegen ihre nackten Beine. Jurin trug die Stiefel sogar am Strand. Salın fand es immer merkwürdig, wenn Leute den Sand nicht fühlen wollten. Dabei hatte sie gerade auch kaum die emotionale Kapazität um darauf zu achten.

In die entstandene Stille, die mit Meeresrauschen gefüllt war, sagte Jurin: “Ich denke, ich kann greifen, wofür ich mich schäme. Darf ich?”

Salın nickte.

“Deira hat immer nur über euch geredet. Über dich und, Ma-, Maşi…? Wie hieß deine andere Mutter?”, fragte Jurin.

“Marişa.”

“Allein, dass du sie ‘andere Mutter’ nennst, ist auffällig. War das immer so?”

Salın nickte wieder. “Ja. Ich weiß, was du meinst.”

“Es hat auf mich spontan wie eine Servant-Dom-Beziehung gewirkt, und es hat sich höchstens semi konsensuell oder gesund angefühlt”, sprach Jurin aus.

Salın kicherte. “Ich habe noch nie im BDSM-Kontext über meine Eltern nachgedacht.” Sie grübelte einen Moment. “Vielleicht, weil ich BDSM immer mit Konsens verbunden habe, auch wenn ich wahrlich nicht nur gesunde oder durchweg-konsensuelle BDSM-Beziehungen hatte.”

“Zurück zum Punkt”, sagte Jurin. “Deira hat über dich und Marişa geredet, teils sogar für euch. Also sie hat zum Beispiel einmal statt Marişa geantwortet, als ich bewusst Marişa gefragt habe, weil es mir aufgefallen war, dass sie übergangen wird. Ihr wart immer nur Figuren in ihrer Story, sie hat euch nicht als eigenständige Personen wahrgenommen, die einen eigenen Willen haben. Ihr Bild von euch ist weit weg von dem, was ihr seid, aber sie interagiert so, dass es für euch schwer ist, nicht automatisch in dieses Bild zu verfallen. Beziehungsweise, von Marişa weiß ich das nicht, aber bei dir kam’s mir so vor.”

Salın unterdrückte den ersten Impuls zu nicken und entschied sich im nächsten Moment bewusst dafür. “Du beobachtest gut.”

“Es ist lange her, aber ich hatte Trainings für sowas fürs Spiel”, erklärte Jurin. “Ich bin nicht besonders stolz darauf, aber zu meinem Wettkampftraining gehörte neben kämpfen und all sowas auch psychische Manipulation, und ich war mal ganz gut darin, ähnliche Strategien auf gegnerische Gruppen anzuwenden oder deren falsches Spiel zu erkennen und abzuwehren. Wobei Deira ein Kaliber für sich ist. Dem bin ich nicht gewachsen.”

“Ich auch nicht. Dabei ist das eine Sache, die ich seit Jahren in der Therapie übe”, murmelte Salın.

“Es ist sehr schwer”, sagte Jurin. Eine Spur Sanftheit schlich sich in ihre Stimme. “Vor allem, wenn du damit großgeworden bist und Marişa da auch keine Hilfe war. Davon gehe ich zumindest gerade aus.”

“Sie war keine Hilfe”, bestätigte Salın. “Manchmal habe ich das Gefühl, Marişa lebt schon so lange unter Deiras Einfluss, dass sie gar keine eigene Persönlichkeit mehr hat.”

“Gut möglich”, kommentierte Jurin. Ihr Mund verzog sich einen Moment in ein nicht glückliches Lächeln. “Aber mit mir hat sich Deira unterhalten.”

Salın schüttelte den Kopf. “Glaubst du das? Ich glaube, auch du warst ihr vollkommen unwichtig.”

“Nee, war ich nicht. Ich war ihr nicht positiv wichtig, aber sie hat sich zumindest anteilig wirklich mit mir befasst, und das hat mich über Marişa und dich gestellt.” Jurin seufzte sehr tief. “Und ich bin drauf angesprungen und habe dasselbe mit dir gemacht.”

Bis gerade hatte Salın widersprechen wollen. Sie glaubte nicht, dass sich Deira auch nur ein ernsthaftes kleines bisschen für Jurin interessierte. Aber Jurins Schluss fühlte sich richtig an. Salın spürte gleichzeitig einen Reflex, es abzustreiten. Sie hatte diesen steten Impuls, Leuten, die Schuldgefühle hatten, diese auszureden und für unnötig zu erklären. Wieder trat dieser Nebel in ihren Kopf.

“Sie wollte nicht, dass ich dich ihr quasi wegnehme, und ich habe auf eine Art dagegen angekämpft, die dir auch keinen Raum gibt. Vielleicht wie eine Damsel in Distess. Jedenfalls ohne dir die Möglichkeit zu geben, zu entscheiden”, schloss Jurin. “Und das tut mir leid.”

“Aber dann hat sie dich ja schon in ein Mindset gebracht, dass du nicht wolltest, oder?”, fragte Salın. “Also, sie hat dich in eine Rolle gedrängt, die du dann angenommen hast.”

Jurin nickte. “Genau.”

“Aber wie ist das dann anders, als wenn sie Marişa und mich in eine Rolle drängt, in der wir machen, was sie will?”

Jurin runzelte die Stirn. “Es ist anders. Moment, lass mich kurz denken.” Sie versuchte, ihr Haar über die Schulter nach vorn zu streichen, aber es wehte einfach wieder nach hinten. Sie verhedderte sich mit ihren Fingern zwischen den Strähnen, bevor sie irgendwann aufgab. “Hm, nein, ich weiß es nicht genau. Ich kann es noch nicht greifen. Ob sie mich als Gegnerin wahrgenommen hat, aber eben wenigstens wahrgenommen?”

“Vielleicht wollte sie, dass du dich in einer Weise verhältst, die verwerflich ist, sodass sie dich hinterher bei mir schlechtreden kann?”, schlug Salın vor.

Jurin grinste. “Ich mag, wie du denkst, aber ich weiß nicht, ob ich da mitgehen würde”, sagte sie. “Ich habe einen Fehler gemacht, und sie hat sich darauf gestürzt, das glaube ich schon. Aber ich glaube, sie hätte so oder so etwas an mir gefunden, was sie schlechtreden kann. Selbstbestimmtes Grenzensetzen eignet sich allein schon hervorragend für Tatperson-Opfer-Umkehr.”

Salın stöhnte genervt – was bei ihr stets bloß wie ein zartes, leicht unglückliches Seufzen klang. “Ja, sie ist da sehr gut drin. Sie hat auch vorhergesagt, dass du mich fallen lassen wirst, wenn dir was an mir nicht passt.”

“Werde ich nicht”, versprach Jurin.

Salın war so überrascht, dass sie stehen blieb. “Wie? Was?”

Jurin stolperte kaum merklich wegen des abrupten Stopps, aber fing sich routiniert und wandte sich ihr zu. “Ich möchte gern festhalten: Wenn du da irgendwann ganz rausmusst, wenn du untertauchen musst oder sonst etwas, und du denkst, ich kann die Person sein, an die du dich dann wenden würdest, zögere nicht und ruf mich an oder schick mir eine Nachricht mit hoher Priorität. Ich hole dich überall ab. Auch mitten in der Nacht. Ich bringe dich an einen sicheren Ort. An einen, wo du dich nicht selbst um deine Versorgung kümmern musst, wenn du da Hilfe brauchst. Ich bleibe bei dir, solange wie du das brauchst. Es ist immer wichtig genug und es ist auch dann okay, sollten sich unsere Wege getrennt haben und ich erwarte nichts dafür.”