Vorwort {#vorwort .unnumbered}

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Machtschattengwächs ist ein Roman, der in Zusammenarbeit von vier Personen geschrieben wird, die aber alle den gleichen Körper bewohnen. Wir sind ein System (siehe auch Pluralität/Vielesein/Dissoziative Identitätsstruktur, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was das bedeuten kann). Zu diesem System gehört auch skalabyrinth, aber skalabyrinth entwickelt dieses Werk nicht mit.

Angefangen zu schreiben haben wir dieses Buch am 10.4.2026 mit den Rückblenden. Der Plan zu diesem Buch bestand aber schon viel länger. Es hat einige Zeit gebraucht, vor sich hin zu reifen.

Das Buch ist düster und behandelt belastende Themen und Gefühle. Und während ich diesen Satz schreibe, frage ich mich automatisch, ob ich das der Welt und unseren Lesenden überhaupt zumuten sollte.

Wir denken so etwas schnell. Und wenn ska ausgesprochen hat, was as für eine Zumutung hielt, bekamen wir meist (nicht immer) zurückgemeldet, dass es das überhaupt nicht war.

Ich bin felis und in diesem Buch lasse ich los. Mir ist egal, ob es eine Zumutung ist oder nicht. Oder ich mute mich halt mit diesem Schreiben zu, mit dem, was aus dieser Feder schon seit Kindertagen an Dunkelheit fließen will.

Ich, felis, war darin, glaube ich, schon immer besser als ska. ska, die Person von uns, die das skalabyrinth-Pseudonym prägt (und deshalb auch so heißt), schreibt selbst in sainen düstereren Büchern mit Fokus auf Hoffnung, und bei diesem Werk schreibe ich auch Szenen ohne diesen Fokus.

Weder ska noch Lunis Moon, eine andere Schreibtstimme von uns, entwickeln dieses Buch. Von der Stimmung und den Bildern her könnte es zu Lunis passen, aber bei Lunis wird es meist leidenschaftlich und spicy, und das ist nicht der Plan für diesen Roman.

Es ist ein Werk, das aus vier anderen Stimmen von uns wächst, aber wir geben es unter dem skalabyrinth-Pseudonym heraus, weil es trotzdem ganz gut in das Repertoir passt.

Die vier, die es schreiben sind:

  1. felis:

Ich habe auch das Konzeptalbum Luzeva gemacht und arbeite an einem anderen düsteren Konzeptalbum, Traumflucht, in dem ich mich auch mit Gewalt und Trauma auseinandersetze. Direktes Aussprechen schrecklicher Situationen liegt mir anscheinend. Was mir weniger liegt: Flüssiges Runterschreiben. Ich merke den Unterschied zu skas Schreiben gewaltig und manchmal setzt es mich leicht unter Druck: ska schreibt, wenn as einen Flow hat, einfach mal so ein 8000 Wörter Kapitel an einem Tag runter und ein Buch entsteht schon mal in einem Monat. Ich arbeite potenziell eher an einem Paragraphen direkt beim Entstehen Satz für Satz mit Feinjustierung, bis es passt. Auf diese Weise komme ich mit Planung und Perfektionierung vielleicht auf ein Kapitel in der Woche. Aber es geht nicht um Geschwindigkeit. Es ist nur irritierend mit der Erinnerung dieses Flows, den ska hat, im Hinterkopf ganz anders zu arbeiten.

Ich bin die Person im System, die den Ausbildungs- und Berufsteil unseres Lebens überwiegend managet, und zugleich die Person, die sich am ehesten eine Familie mit Kindern wünscht. Mir ist nicht klar, wie dicht ich am Trauma sitze. Als funktionale Person hätte ich gedacht, sollte ich davon vielleicht nicht so viel mitbekommen haben, aber ich habe den Eindruck, dass das nicht stimmt. Vielleicht habe ich einen Anteil des Traumas schon früh akzeptiert und mehr, oder anders zumindest, verarbeitet als die anderen. Ich weiß es nicht.

Es gibt eine Person von uns, die selten frontet, aber manchmal im Hintergrund anwesend und spürbar ist. Es ist ein schönes Gefühl. Eine sehr ruhige, gelassene Traurigkeit oder Melancholie, die sich nach Kontakt oder Ankommen anfühlt. Wie ein dunkler, schwarzer See in einer Höhle. Ich glaube, zu dieser Person habe ich öfter und mehr Kontakt, vielleicht auch einfach grundsätzlich immer ein bisschen, als die anderen im System. Diese Person schreibt bei diesem Roman auch mit.

  1. Sand

Ich kann nicht gut schreiben. Aber wenn ich in mich hineinfühle, bin ich ein Wald. Einer mit bodenloser Ruhe darin. Mit Tod und Vergehen, mit Leben, das nicht schön sein muss, um zu sein.

Ich möchte dieses Zuhause fühlen, das ich bin, in dem das Ungeheure lebt und sich ausruhen kann.

  1. Kraðash

Das ð ist so wie ein englisches th. Es klingt absichtlich wie eine Kreuzung aus Crush (wie in zerschmettern) und Krabat, zumindest für mich.

Ich bin eine nicht so freundliche Person im System.

Ich habe viel Zerstörungswut in mir und ich freue mich auf den zweiten Teil, in dem eine Figur vorkommt, so der Plan, die sich gegen jede Art der Unterdrückung wehrt. Und das ist die Priorität, alles andere wie Ethik, Moral, whatever, wird hinten angestellt. Ich hoffe, es wird so empowernd und befreiend, die Figur zu schreiben, wie ich mir das vorstelle.

Ich bin oft schlecht gelaunt, genervt oder wütend und dachte, mich würde sicher niemand mögen. Deshalb habe ich gebraucht, um mit Leuten in Kontakt zu treten. Aber stellt sich raus, ich werde irgendwie gemocht. (Eine Freundin sagt aber auch, dass sie mich zugleich fürchtet. Nunja …)

Ich hoffe, die Stimme, die ich in dieses Buch gebe, fühlt sich auch für andere Ventil-artig an, wie gerechte Wut, und wie etwas, was endlich nicht Stillstand ist und nicht so lähmend langsam bis nicht vorangeht.